Marie-Luise Jahn wuchs im ostpreußischen Gut Sandlack (heute Polen) und in Berlin auf. Im Februar 1940 begann sie
in München ein Chemiestudium.
Am Lehrstuhl des Nobelpreisträgers Heinrich Wieland lernte sie Hans Leipelt aus Hamburg kennen, mit dem sie bald eine enge Freundschaft verband. Wegen seiner jüdischen Mutter wurde Leipelt an der Universität nur als Privatstudent bei Professor Wieland geduldet.
Einige Tage bevor die Geschwister Scholl und Christoph Probst hingerichtet wurden, hatte Leipelt per Post deren letztes Flug­blatt erhalten. Jahn und Leipelt beschlossen spontan, den Widerstand fortzusetzen. Sie schrieben das Flugblatt ab, jedoch mit neuer Überschrift: ,, … Und ihr Geist lebt trotzdem weiter!“. Das Flugblatt verteilten sie in München und nahmen es mit nach Hamburg, um auf den Widerstand aufmerksam zu machen. Gemeinsam mit Freunden überlegten sie weitere Aktionen.
In München erfuhren sie von der Not der Familie von Professor Huber, der auch in Stadelheim hingerichtet worden war, und sammelten im Bekanntenkreis Geld. Trotz großer Vorsicht wurden sie an die Gestapo denunziert.
Die Gestapo verhaftete Hans Leipelt am 8. Oktober 1943, zehn Tage später auch Marie-Luise Jahn. Noch im gleichen Monat fand der Prozess gegen beide und fünf ihrer Freunde statt.
Im Prozess trat Professor Wieland als Entlastungszeuge auf. Dennoch wurde Hans Leipelt zum Tode verurteilt, Marie-Luise Jahn zu zwölf Jahren Zuchthaus.
Im Mai 1945 befreiten die Amerikaner sie aus dem Gefängnis Aichach. Marie-Luise Schultze-Jahn studierte Medizin, heiratete und praktizierte bis 1988 in Bad Tölz. Seit den 1980er Jahren engagierte sie sich in der Weiße Rose Stiftung, im Weiße Rose Institut und gab viele Zeitzeugeninterviews.

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