Ludwig Linsert, Mitglied des Metallarbeiterverbandes, der „Natur­freunde“ und der SPD, schloss sich Anfang der 30er-Jahre dem Internationalen Sozialistischen Kampfbund (ISK) an. Der ISK wollte eine eigenständige Organisation neben dem bisherigen linken Parteiengefüge aufbauen. Aus bündischer Jugend und lebensreforme­rischen Strömungen wurden Ansätze in Programmatik und Praxis übernommen, vor allem Abstinenz und Vegetariertum.
Beim ISK in München, wo die Gruppe hauptsächlich in der Gewerk­schaft verankert war, wurde ein Zusammenwirken der zerstrittenen Parteien der Arbeiterbewegung, SPD und KPD, angesichts der Machtübernahme-Gefahr durch die NSDAP angestrebt. Wie bei der SAP in München, die Ähnliches vertrat, blieben die ISK-Aktivitäten auf einen kleinen Kreis beschränkt. Es gab aber stets Kontakte über Partei- und Organisationsgrenzen hinweg.
Nach dem Verbot des ISK 1933 wurde das Lebensmittelgeschäft, das Ludwig Linsert mit seiner Frau Margot in Laim betrieb, zur ge­heimen Anlaufstelle für Mitglieder und Gleichgesinnte. Mit dem Ge­werkschafter Ludwig Koch und anderen verteilte Linsert Flugblätter und ätzte das Symbol „Hakenkreuz am Galgen“ unter anderem in einen der NS-,,Ehrentempel“ am Königsplatz ein.
1938 wurde Linsert gefangen genommen, zu einer Gefängnisstrafe verurteilt, die er bis August 1940 in Landsberg verbüßte, 1943 zur ,,Bewährungseinheit 999″ eingezogen und an die Ostfront ge­schickt. Von Juli 1944 bis Oktober 1947 kam er in der UdSSR in Kriegsgefangenschaft.
Zurück in München engagierte er sich in der SPD, hauptsächlich aber beim DGB. Von 1958 bis 1969 war er dessen Vorsitzender in Bayern. Bis 1969 gehört er dem Bayerischen Senat an, zuletzt als Vizepräsident.

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