Am 1. Mai 1933 fanden sich einige Dutzend Menschen am Münchner Stadtrand auf einer Wiese im Perlacher Forst zu einer geheimen Kund­gebung zusammen. Sie kamen aus Gewerkschafts- und Arbeiter­jugend-Kreisen. Der Redner trug eine Maske. Er versuchte, die Ereig­nisse zu analysieren, Mut zu machen und appelliert, den Widerstand nicht aufzugeben. Er selbst stand schon auf den Fahndungslisten der Gestapo, der 26jährige gelernte Mützenmacher und Student der Volks­wirtschaft Ernst Lörcher.
Mit 14 Jahren trat Ernst Lörcher 1921 in die Sozialistische Arbeiter­jugend ein. 15 Jahre war er alt, als sein Vater und politisches Vorbild 1922 starb. Dessen Mützen-Geschäft im Stadtteil Lehel, das Ernst übernehmen sollte, gab es nicht mehr. Den Laden, vor dem der Vater wenige Jahre zuvor noch ein Schild hochgehalten hatte, auf dem stand: ,,Wählt die USPD, wählt die Partei der Revolution“.
1928 konnte Ernst Lörcher Fortbildungsmöglichkeiten nutzen und in Frankfurt/Main ein Studium beginnen. An der Seite seiner jüdischen Freundin Gertrud Sander und seines Kommilitonen Wolfgang Abend­roth wurde er dort aktiv bei den „Roten Studenten“.
Nach der Machtübernahme der NSDAP wurden sie von der Hoch­schule verwiesen, Ernst ging zurück nach München und beteiligte sich mit seinen Geschwistern an Flugblattaktionen der verbotenen KPD gegen das NS-Regime.
Er musste flüchten, nach Frankreich, in die Schweiz und in die Nieder­lande, hielt Kontakte zu Widerstandskreisen daheim und kehrte 1935 illegal ins Ruhrgebiet zurück. 1936 wurde er dort verhaftet, zu einer Gefängnisstrafe verurteilt, der bis zur Befreiung 1945 die KZ-Haft im Außenlager Ebensee des KZ Mauthausen folgte.
Wieder in Freiheit beginnt er sofort, sich politisch und antifaschistisch zu betätigen – als Journalist, als Cafe- und Pensionswirt im Alpenvor­land, als Verlagsrepräsentant in Nahost und Israel, gemeinsam mit sei­nem Bruder Albert als Mitarbeiter der Münchner DGB-Zeitschrift „wir“, bei Ostermärschen und den großen Demonstrationen und Menschen­ketten der 80er-Jahre, in Mutlangen und in Wackersdorf.

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